„Nein zu Kriegstüchtigkeit – Ja zum Frieden!“

Positionen zum Weltfriedenstag 2026

Heute vor 87 Jahren, am 1. September 1939, begann mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. In den folgenden sechs Jahren starben mehr als 70 Millionen Menschen. Am 8. Mai 1945, dem Tag der Befreiung, endete dieser verheerende Krieg in Europa und am 2. September 1945, nach dem Abwurf zweier Atombomben durch die USA auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki, auch in Asien.

Nach der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 war in der wenige Jahre später gegründeten DDR „Nie wieder Krieg! – Nie wieder Faschismus!“ der moralische Leitfaden ihrer Außenpolitik. In der BRD wurde später die Maxime „Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen!“ geprägt. Wegweisend waren hier Politiker wie Willy Brandt und Richard von Weizsäcker.

Mit der derzeitigen „Zeitenwende“-Politik der Bundesregierung scheinen diese Bekenntnisse zur Friedenspolitik keinerlei Bedeutung mehr zu haben.
Im Gegenteil: Die aktuelle Politik erweist sich als „Segen“, insbesondere für Rüstungskonzerne wie KNDS und Rheinmetall.

Eine immer wieder herbeigeredete „Bedrohung“ durch Russland und die damit verbundene verantwortungslose Strategie, den „Krieg nach Russland zu tragen“, birgt die Gefahr eines neuen, auch atomaren, Krieges mit Russland.

Gleichzeitig wird die Gesellschaft immer weiter militarisiert: Durch eine angestrebte Wiedereinführung von Wehrpflicht und Zivildienst; durch verstärkte Werbung der Bundeswehr an Schulen und Bildungseinrichtungen; durch eine Berichterstattung in den Medien, bei der das Militär als normaler Arbeitgeber dargestellt wird und durch eine umfassende Konversion ziviler Produktionsstätten in Rüstungsbetriebe. Einige traurige Beispiele sind das LKW-Werk in Ludwigsfelde und der ehemalige Waggonbau in Görlitz, wo Panzer gebaut werden sollen; das Autozuliefererwerk Pierburg in Berlin-Wedding, wo Artilleriemunition hergestellt werden soll; oder das Spreewerk in Lübben, wo nun Munition produziert anstatt vernichtet wird.

Hinzu kommt, dass die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Schönefeld seit einigen Jahren immer mehr zur Rüstungsmesse wird.
Am Bundewehrstandort in Holzdorf im Süden Brandenburgs sollen neue Waffensysteme, insbesondere Mittelstrecken-Raketen stationiert werden.
Mehr als 500 Milliarden Euro will die Bundesregierung in den nächsten Jahren für Rüstung ausgeben.

Wir verweigern uns diesem perfiden Aufrüstungswahn!

Die Zeche für die permanente Aufrüstung zahlen wir:

  • der Sozialstaat wird zerstört,
  • die Grundrechte werden eingeschränkt,
  • der Jugend wird durch Kriegsdienst die Zukunft geraubt.

Die Friedenskoordination Potsdam warnt eindringlich vor dieser Politik. Notwendige Investitionen für Bildung, Gesundheit, Soziales und Umweltschutz bleiben aus. Von Ärzten, Lehrern und Rentnern wird unbezahlte Mehrarbeit verlangt. Der Wirtschaftsstandort Deutschland wird einem „Kriegsstandort Deutschland“ geopfert.

Wir sagen Nein zu Kriegstüchtigkeit und Ja zum Frieden!
Wir gedenken heute des Beginns des Zweiten Weltkrieges.
Lasst uns einen Dritten Weltkrieg verhindern!

Wir fordern daher:

  • Stopp der Militärausgaben und der Konversion ziviler Betriebe in Rüstungsproduktionsstätten!
  • Keine Stationierung von Mittelstreckenwaffen in Brandenburg!
  • Keine Werbung der Bundeswehr an Schulen und Bildungseinrichtungen!
  • Nein zur Wehrpflicht!
  • Verzicht auf nukleare Teilhabe Deutschlands, Abzug aller Atomwaffen und Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrages!
  • Beendigung der Kriege in der Ukraine und in Nahost und Aufnahme diplomatischer Verhandlungen!
  • Erarbeitung eines weltweiten Sicherheitskonzepts unter Einbeziehung von Russland und China!

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Für eine atomwaffenfreie Welt!

Bild von Stefan Keller auf Pixabay

Positionen und Gedanken zum Weltfriedenstag 2025

Heute vor 86 Jahren, am 1. September 1939, überfielen die deutschen Faschisten Polen. Damit begann der Zweite Weltkrieg mit über 70 Millionen Toten.
Am 6. und 9. August 1945 warfen die USA über Hiroshima und Nagasaki zwei Atombomben ab, die beide Städte zerstörten und bis heute insgesamt über 543.000 Tote forderten.
Am 2. September 1945, drei Wochen nach dem Einsatz der Bomben, kapitulierte Japan schließlich und der Zweite Weltkrieg in Asien war beendet.

Gleichzeitig wurde damit eine neue Epoche der militärischen Gewalt eingeläutet. Es begann ein atomares Wettrüsten, das nach der Entwicklung der sowjetischen Atombombe 1949 zu einem Gleichgewicht des Schreckens zwischen den Atommächten wurde, mit der Gefahr der Selbstvernichtung der Menschheit. Weltweit gab es bisher etwa 2050 über- und unterirdische Atomtests.

Das Bestreben, die drohende Gefahr eines Atomkrieges einzudämmen, führte zur Entspannungspolitik und zu völkerrechtlich verbindlichen Abkommen zur Rüstungskontrolle. Nach dem Ende des Kalten Krieges schien in den 1990er Jahren die Gefahr eines Atomkrieges gebannt. Von damals etwa 55.000 Atomwaffen (1990) gibt es heute weltweit etwa 12.500 (2025).

Dennoch ist die Gefahr eines Atomkrieges heute so groß wie nie. In der nach 1990 neu entstandenen Weltordnung werden globale und regionale Konflikte zunehmend mit militärischen Mitteln ausgetragen, wobei auch geächtete Waffen, wie Streubomben und Uranmunition, zum Einsatz kommen. Des Weiteren wird mit dem Einsatz von Atombomben gedroht.

Umso wichtiger ist die 2017 innerhalb der UN gestartete Initiative für eine atomwaffenfreie Welt, die 2021 zum Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrages führte. Mittlerweile wurde dieser von über 70 Staaten ratifiziert, allerdings weder von den nuklearen Großmächten noch von Deutschland.

Auch die sogenannte „friedliche“ Nutzung der Kernenergie birgt zahlreiche Risiken. Zu nennen sind vor allem die nuklearen Katastrophen von Sellafield (1957), Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011). Hinzu kommt das Problem der bis heute nicht sicheren Endlagerung der Brennstäbe und des atomaren Abfalls. Außerdem kann radioaktives Material, das in Atomreaktoren eingesetzt wird, durchaus zu waffenfähigem Material angereichert werden.
Das birgt das Risiko der Unkontrollierbarkeit atomarer Gefahr. Weiterlesen →

Pressemitteilung und Stellungnahme der Friedenskoordination Potsdam zum Völkermord in Gaza

Seit nahezu zwei Jahren findet in Gaza unter den Augen der Weltöffentlichkeit eine völkerrechtswidrige Vertreibung und die gezielte Ermordung von Angehörigen des palästinensischen Volkes durch den Staat Israel statt. Bisher kamen wahrscheinlich über 100.000 Palästinenser ums Leben. Mehr als die Hälfte davon waren Kinder. (*)

Nahezu die gesamte Bevölkerung Gazas (etwa zwei Millionen Menschen) ist innerhalb des abgeriegelten Gebietes auf der Flucht. Die Versorgung der dortigen Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln und medizinischen Gütern ist seit Wochen zusammengebrochen.

In diesem ungleichen Krieg werden die israelischen Opfer und Geiseln des Überfalls der Hamas vom Oktober 2023 sowie die gefallenen israelischen Soldaten und Zivilisten instrumentalisiert, um einen Vernichtungskrieg gegen das palästinensische Volk zu führen. Das Ziel der israelischen Regierung ist die Vertreibung und Vernichtung der palästinensischen Bevölkerung in Gaza und im Westjordanland. Untermauert wird dies durch zahlreiche Äußerungen einiger israelischer Minister, die nicht von einer Vernichtung der Hamas, sondern von der Vernichtung Palästinas und Gazas sprechen sowie durch die aggressive und ebenfalls völkerrechtswidrige Siedlungspolitik Israels.

Aktuelle Bilder aus Gaza erschüttern. Israel setzt Hunger als Waffe gegen die palästinensische Zivilbevölkerung ein. Hilfsorganisationen wird der Zugang nach Gaza verwehrt.

Das palästinensische Volk wird durch die israelische Politik und durch das israelische Militär ausgehungert, vertrieben und vernichtet. Das ist gezielter Völkermord!

In dieser Situation bekunden wir unsere Solidarität mit dem palästinensischen Volk.

Wir verurteilen die aggressive Politik der israelischen Regierung aufs schärfste.

Ebenso verurteilen wir die völkerrechtswidrigen Angriffe Israels auf den Iran und Syrien.

Wir verurteilen außerdem den Terror der Hamas und solidarisieren uns mit den israelischen Geiseln und deren Angehörigen. Wir fordern die israelische Regierung auf, sich umgehend für deren Freilassung durch den Einsatz friedlicher Mittel einzusetzen.

Des Weiteren unterstützen wir alle Initiativen der israelischen Zivilbevölkerung, die sich gegen diese Kriege und die derzeitige Politik der israelischen Regierung richten.

Wir fordern die Bundesregierung, die EU und die USA auf, Waffenlieferungen an Israel umgehend zu stoppen und sich neben dem Existenzrecht des Staates Israel ebenso vehement für den Schutz der Palästinenser und eine Zwei-Staaten-Lösung einzusetzen. Dazu gehört auch eine staatliche Anerkennung Palästinas. Nur so kann es einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten geben.

Die Friedenskoordination Potsdam setzt sich immer für friedliche Lösungen von Konflikten ein. Wir brauchen keine Kriege – wir wollen eine friedliche Welt!

(*) Hofmann, Sarah Judith: Wie hoch sind die Opferzahlen im Gazastreifen wirklich?, DW 02.07.2025, https://www.dw.com/de/wie-hoch-sind-die-opferzahlen-im-gazastreifen-wirklich/a-73115737


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„Gegen Aufrüstung und Militarisierung – für eine friedliche Welt!“

Unsere Positionen zum 24. Potsdamer Ostermarsch am 12.04.2025

Sondervermögen für Kriegstüchtigkeit

Politik und Medien trimmen Deutschland auf „Kriegstüchtigkeit“. Bereits 2022 verkündete Kanzler Scholz: „Deutschland wird in Europa bald über die größte Armee der NATO verfügen.“ Drei Tage nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine zog Scholz eine 100-Milliarden-Schuldverschreibung aus dem Hut und präsentierte sie als „Sondervermögen“.

Doch dem Militär-Industrie-Komplex mit seinen drei tragenden Säulen – Rüstungsindustrie, Kalte-Kriegs-Politiker und militärische Führungskräfte – reichte dieser gewaltige Brocken noch nicht. Als mittelfristig notwendig wurden 300 Milliarden Euro angegeben, dann 500 Milliarden Euro und dem folgte der Ruf nach Aufhebung der Schuldenbremse für Investitionen in militärische Infrastruktur. Um die Zustimmung des Bundestages für die Finanzierung des milliardenschweren Aufrüstungsprogrammes mittels einer erforderlichen Grundgesetzänderung zu erwirken, wurde dies noch in aller Eile mit den Mehrheitsverhältnissen im alten Bundestag durchgezogen. Bei den Rüstungskonzernen knallen die Sektkorken.

Rüstungs- und Kriegsausgaben von mehr als 84 Milliarden Euro

Die Erhöhung der Verteidigungsausgaben geht zulasten des Sozialstaates. Bereits 2024 betrugen die Kosten für Verteidigung 51,95 Milliarden Euro. Das entspricht den Ausgaben für Bildung/Forschung, Gesundheit, Familie/Frauen/Jugend und Umwelt. Dazu kommen die Entnahme aus dem Sondervermögen (19,2 Milliarden Euro), Waffenlieferungen an die Ukraine (7,4 Milliarden Euro) sowie 5,5 Milliarden Euro für Schuldendienst. In Summe betragen die Rüstungs- und Kriegsausgaben gigantische 84,05 Milliarden Euro.

Für 2025 und Folgejahre ist daher eine zunehmende Umverteilung des Haushaltes zulasten der dringend notwendigen Ausgaben für Bildung, Gesundheit, Soziales, Infrastruktur, Wohnungsbau sowie für Umwelt- und Klimaschutz vorprogrammiert. Weiterlesen →

Schluss mit Kriegen! – Für eine friedliche Welt!

Unsere Positionen zum Weltfriedenstag am 01.09.2024

Vor 85 Jahren, am 1. September 1939, überfielen die deutschen Faschisten Polen. Damit begann der Zweite Weltkrieg mit über 70 Millionen Toten. Nach dem Ende des Krieges fanden die Leitideen und Losungen „Nie wieder Krieg! – Nie wieder Faschismus!“ und „Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen!“ bereits im Jahre 1945 ihren Niederschlag im „Potsdamer Abkommen“ und in der „UN-Charta“.

Die US-amerikanischen Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 blieben bislang die einzigen Einsätze von Atomwaffen in einem Krieg. Das Bestreben, die drohende Gefahr eines Atomkrieges abzuwenden, führte zur Entspannungspolitik und zur Beendigung des „Kalten Krieges“.

Anfang der 1990er Jahre schien die Gefahr eines Atomkrieges gebannt und die Idee von einem gemeinsamen Haus Europa hatte nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland, sondern weltweit freudige Erwartungen geweckt. Jedoch nicht bei den Eliten der USA, da eine enge wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit der Völker – insbesondere von Russland und Deutschland – dem Hegemonialanspruch der USA zuwiderläuft. Aus dem Anspruch, einzige Weltmacht zu sein und zu bleiben, machen die USA auch heutzutage keinen Hehl. So waren die USA – direkt oder indirekt – bei den meisten Kriegen und Krisen der letzten Jahrzehnte beteiligt, so in Korea, Kuba, Vietnam, Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Syrien, der Ukraine und in Gaza. Die Sprengung der Nord-Stream-Gasleitungen am 26. September 2022 war ein deutliches geopolitisches Signal, insbesondere an Russland und Deutschland. An der Aufklärung dieses terroristischen Aktes hat in der westlichen Welt kaum jemand Interesse und man ist eher um Verschleierung bemüht. Weiterlesen →

Position zum geplanten Wiederaufbau der Potsdamer Hof- und Garnisonkirche

Zur Geschichte

Die Potsdamer Hof- und Garnisonkirche, 1730 – 1735 durch den Architekten Philipp Gerlach auf Befehl des preußischen Herrschers König Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740), genannt der „Soldatenkönig“, für die Soldaten der Potsdamer Garnison und die Bediensteten des Potsdamer Hofes errichtet, war seit ihrer Erbauung Symbol für Militarismus und Krieg.

Die Fassade des 88,40 m hohen Turmes war mit zahlreichen steinernen Granaten, Standarten und Trophäen geschmückt. Das im Turm befindliche Glockenspiel bezeugte mit der Melodie „Üb‘ immer Treu‘ und Redlichkeit“ die sogenannten preußischen „Tugenden“ und die Verbindung von Kirche und weltlicher Obrigkeit.

Theodor Fontane (1819 – 1898) nannte diese Kirche in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ein „Symbol des Militärstaates Preußen“.

Die Prediger dieser Kirche waren vom 18. bis zum 20. Jahrhundert durchgängig streng konservativ geprägt. Demzufolge fielen auch die Predigten entsprechend aus und mischten sich zu Zeiten des Krieges auch mit Kriegsrhetorik und Waffensegnungen, ob nun in den Schlesischen Kriegen (1740 – 1763), den Befreiungskriegen gegen Napoleon (1813 – 1815), den deutschen Einigungskriegen (1864 – 1871) oder dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) und Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945).

Des Weiteren fanden in dieser Kirche Fahnenweihen, militärische Heldenehrungen und Gedenkgottesdienste für Angehörige des preußischen Königshauses statt. Das Hauptklientel waren Adel und Bürgertum. Die relativ kleine Zivilgemeinde spielte kaum eine Rolle. Zwischen 1918 und 1933 ist die Hof- und Garnisonkirche als ein Bollwerk gegen die Demokratie genutzt worden. Man wollte dem „Geist von Weimar“ bewusst den „Geist von Potsdam“ entgegensetzen, d. h. dem Geist der Demokratie und des Aufbruchs den Geist des Konservatismus und Militarismus.

Am 21. März 1933 erlebte der „Geist von Potsdam“ in der Verbindung zwischen preußischem Militarismus und Nationalsozialismus mit der „Inthronisierung“ Adolf Hitlers als Reichskanzler am sogenannten „Tag von Potsdam“ in der Hof- und Garnisonkirche seinen triumphalen Höhepunkt und die Stadt Potsdam damit gleichzeitig einen ihrer dunkelsten Tage. Dieses Ereignis galt auch als „Geburtsstunde“ des Dritten Reiches.

Zwar rekrutierten sich aus der Gemeinde der Garnisonkirche auch einige Personen, die beim Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler beteiligt waren. Allerdings kann die Garnisonkirche damit kaum als „Hort des Widerstands“ bezeichnet werden, da diese nur Einzelpersonen waren, die in keinem Falle die Mehrheit der dort ansässigen Gemeinde repräsentierten.

Als in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1945 britische Bomber Potsdam zerstörten, wurden zahlreiche Gebäude der Potsdamer Innenstadt zerstört oder stark beschädigt, darunter auch die Hof- und Garnisonkirche. 1949 wurde die Ruine in „Heilig-Kreuz-Kirche“ umbenannt und 1950 im Turmstumpf eine Kapelle eingerichtet. Wegen Baufälligkeit und weil andere Projekte Vorrang hatten, z. B. die Neugestaltung der Potsdamer Innenstadt und der Wiederaufbau der Nikolaikirche auf dem Alten Markt, wurde die Ruine der ehemaligen Hof und Garnisonkirche auf Beschluss der damaligen SED-Leitung, einem Antrag der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung folgend, 1968 schließlich abgerissen.

Dass die Kirche auf persönlichen Befehl Walter Ulbrichts gesprengt worden sei, ist ebenso eine Legende wie die Behauptung, es habe massenweisen Protest seitens der Kirchenleitung gegen den Abriss gegeben. Tatsache ist, dass Walter Ulbricht gefragt habe, was mit dem Bauwerk passiere. Man antwortete ihm, dass die Ruine abgerissen werde. Seitens der Kirchenleitung der DDR bestand kaum Interesse an einem Wiederaufbau dieser Kirche, da dieser zu teuer war und auch die anfallenden Unterhaltungskosten das geringe Budget übersteigen würden. Das galt allerdings auch für andere kunsthistorisch bedeutsame Kirchen. Man setzte damals vorrangig auf den Bau moderner Gemeindezentren.

Zum geplanten Wiederaufbau

Aufgrund der jahrhundertelangen eindeutig konservativen und militaristischen Ausrichtung dieser Kirche muss ein Wiederaufbaubestreben sehr kritisch gesehen werden. Seit den 1980er Jahren versuchten vor allem stark konservativ und militärisch geprägte Vereine und Organisationen, die Potsdamer Hof- und Garnisonkirche wieder zu errichten.

Die Befürworter des Wiederaufbaus halten vor allem einen Beitrag zum barocken Stadtbild Potsdams für notwendig, auch wenn es dieses seit 1945 praktisch nicht mehr gibt.

Ein weiterer Punkt ist die Stilisierung der Garnisonkirche zum „Hort des Widerstandes“ durch das Attentat vom 20. Juli 1944, welches damit eine nie dagewesene Überhöhung erfährt. Auch will man den „Kommunisten nicht den Sieg lassen“, so ein Zitat von Bischof Dr. Wolfgang Huber, Kuratoriumsvorsitzender der „Stiftung Garnisonkirche Potsdam“, der immer noch an der Legende des persönlichen Abrissbefehls Walter Ulbrichts festhält. Ein wichtiger Punkt ist zwar die Bemühung um Versöhnungsarbeit, die allerdings im neuen Konzept sehr abgeschwächt ist, da weder die Kirche umbenannt werden soll noch das Nagelkreuz von Coventry, welches 2004 für ein dort zu errichtendes internationales Versöhnungszentrum gestiftet wurde, deutlich sichtbar sein wird.

Seit der Wende 1989/1990 gibt es nicht nur in Potsdam kritische Stimmen gegen einen möglichen Wiederaufbau. Der ehemalige Jugendpfarrer Uwe Dittmer, der 1968 den letzten Gottesdienst in der Kapelle des Turmstumpfes hielt, sprach sich klar gegen einen Wiederaufbau aus. Zahlreiche Friedensinitiativen und Christen wandten sich ebenso dagegen. Hauptkritikpunkte an der Initiative zum Wiederaufbau der Garnisonkirche sind:

  • Die gesamte Geschichte und Nutzung der Kirche muss umfassend aufgearbeitet werden.
  • Die Bildung eines neuen Wallfahrtsortes und einer Pilgerstätte für rechtskonservative, rechtsradikale und neofaschistische Kräfte muss verhindert werden.
  • Ein Neuanfang muss sowohl im Namen als auch in der Architektur sichtbar werden.
  • Der Wille zur internationalen Versöhnungsarbeit muss klar erkennbar sein.
  • Das mangelhafte Finanzierungskonzept mit erheblichen Lücken muss offengelegt werden.

Im März 2014 gründete sich die Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ ein halbes Jahr später war Friedenspfarrrer Dr. Friedrich Schorlemmer einer der Erstunterzeichner der Initiative „Christen brauchen keine Garnisonkirche“, diese wird seit 2015 von der „Martin Niemöller Stiftung e. V.“ unterstützt.

Diesen Friedensinitiativen fühlen sich die Mitglieder der Friedenskoordination Potsdam verbunden und lehnen somit einen Wiederaufbau dieser Kirche konsequent ab. Ein Kompromiss wäre nur denkbar, wenn an der Stelle der einstigen Hof- und Garnisonkirche ein moderner Neubau entstünde, der den historischen und architektonischen Bruch mit der Vergangenheit sichtbar macht und der interkulturelle, interreligiöse und internationale Begegnung und Versöhnung schafft und möglich macht.

Hier kann die Position der Friedenskoordination Potsdam zum geplanten Wiederaufbau der Potsdamer Hof- und Garnisionkirche als PDF-Dokument heruntergeladen werden.