Statement der Friedenskoordination Potsdam zur aktuellen Debatte um Musterung und Wehrpflicht
Am 12. Juni 2024 hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) verkündet, er wolle einen Fragebogen zur Erfassung aller wehrtauglichen und am Wehrdienst interessierten Personen an alle 18-jährigen versenden. Männer müssen, Frauen dürfen antworten.
Das klingt doch sehr arg nach einer neuen Rekrutierung und Mobilmachung nach dem alten amerikanischen Muster „Uncle Sam wants you!“ oder in diesem Falle: „Onkel Boris will dich!“. 2011 wurde in Deutschland die Wehrpflicht offiziell ausgesetzt, jedoch nicht abgeschafft, obwohl alle nötigen Strukturen für Wehr- und Zivildienst damit aufgelöst wurden.
Seitdem gab es immer wieder Debatten um ein freiwilliges oder verpflichtendes Jahr für junge Erwachsene, das entweder im sozialen Bereich oder aber beim Militär abgeleistet werden könne, da es seit der Aussetzung der Wehrpflicht massive Probleme bei der Rekrutierung der zur Freiwilligenarmee umfunktionierten Bundeswehr gab.
Na klar, wer wollte sich schon freiwillig in Kriegs- und Krisengebiete begeben (Afghanistan, Mali, Somalia etc.) und dann möglicherweise in einem Zinksarg heimkehren?
Sehr attraktiv ist das jedenfalls nicht – vor allem aber ist es eins: tödlich!
Im November 2023 erklärte Boris Pistorius, Deutschland müsse „kriegstüchtig“ gemacht werden. Anfang Juni 2024 wiederholte er diese Forderung und nannte das Jahr 2029 als Ziel. Eine Woche später nun also die Non-Plus-Utra-Lösung: Fragebögen zur Rekrutierung. Schlimm genug, dass die Bundeswehr seit Jahren in Schulen präsent ist, Großgeräte auf der ILA präsentiert (05.06. bis 09.06.2024) und „Tage der Bundeswehr“ veranstaltet (wie am 08.06.2024 auf dem Fliegerhorst Holzdorf) um dort großflächig für sich und den „Dienst an der Waffe“, sprich: für Kriegsdienst und Töten, zu werben.
Wollen und brauchen wir das? – Nein!
Wenn wir die derzeitige weltpolitische Lage sehen und Kriege und globale Krisen überwinden wollen, dann müssen wir friedensfähig werden!
Von Kurt Tucholsky stammt der Satz: „Soldaten sind Mörder!“
Albert Einstein sagte: „Ein kluger Kopf passt unter keinen Stahlhelm!“
Beidem kann man nur zustimmen!
Potsdam, 17.06.2024
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